Von der kaufmännischen Berufsschule zum Berufskolleg Lehnerstraße

Die Geschichte dieser Schule beginnt mit dem Erlass des Kultusministers vom 22.02.1960, bekannt gegeben durch die Verfügung des Regierungspräsidenten vom 09.03.1960, dass dieses Lehrinstitut nach der Auflösung der Bündelschule als beruflich ausgebaute Schule anerkannt ist. Der Rat der Stadt beschließt in seiner Sitzung am 21./22.03.1960 diesem neu gebildeten Zweig den Namen „Kaufmännische Berufsschule der Stadt Mülheim an der Ruhr“ zu geben. Die Auszubildenden werden in den Sparten Einzelhandel, Großhandel, Industrie, Verwaltung sowie in wirtschafts- und steuerberatenden Berufen unterrichtet. 1963 kommt die Berufsaufbauschule kommt. Sie gibt Schülern und Schülerinnen mit abgeschlossener kaufmännischer Lehre die Möglichkeit, die „Mittlere Reife“, heute Fachoberschulreife in Tages-, Abend- oder kombinierter Form nachzuholen.

Die Schule weist einen großen Mangel auf. Es fehlen die berufsvorbereitenden Schulformen der Berufsfachschule (Handelsschule) und der Höheren Berufsfachschule (Höhere Handelsschule). Beide Schulformen wurden von der Privaten Handelslehranstalt Max Schwenzer angeboten. Seit 70 Jahren gibt es diese Privatschule, die weit über Mülheim wegen der guten fachlichen Ausbildung bekannt ist. Max Schwenzer, der Schulleiter, hat sie von seinem Vater übernommen. Doch er selbst hat keine Kinder, und so beschließt er, die Schule an die Stadt Mülheim zu verkaufen. Nach langjährigen Verhandlungen werden die Privaten Handelslehranstalten 1968 von der Stadt Mülheim übernommen und der kaufmännischen Berufsschule angegliedert. Ein Schuljahr später (1969) wird bereits eine neue Schulform eingerichtet. Es ist die Fachoberschule für Wirtschaft, die an die Stelle der Berufsbauschule tritt. Als Abschluss dieser neuen Struktur steht nach erfolgreichem Besuch die Fachhochschulreife (Klasse 12), die den Zugang zur Fachhochschule öffnet.

Ein weiteres Schuljahr später (1970) wird das Bildungsangebot um die kaufmännische Berufsgrundschule erweitert. Hierbei handelt es sich um ein einjähriges Vollzeitschuljahr im Berufsfeld „Wirtschaft und Verwaltung“, in dem Jugendliche ohne schulische Abschlüsse jeglicher Art kaufmännische Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben können. Es ist ein Berufsfindungsjahr. Bei erfolgreichem Besuch kann der Hauptschulabschluss der 10A erworben werden.

Viele Schüler und Schülerinnen der Höheren Berufsfachschule (Höhere Handelsschule) beklagen sich darüber, dass sie nicht an der hiesigen Schule ihr Vollabitur ablegen können. Wer ein Versetzungszeugnis mit dem Notendurchschnitt 2 bis 2,5 von der Unter- in die Oberstufe hatte, musste bisher, wenn er die allgemeine Hochschulreife erlangen wollte, nach Essen oder Düsseldorf, um dort an den zuständigen kaufmännischen Schulen diesen Abschluss zu erreichen. Die Schulleitung stellt 1975 bei der Bezirksregierung (damals Regierungspräsidenten) den Antrag auf Einrichtung der gymnasialen Oberstufe. Der Antrag wird stattgegeben und der Schule auch die Allgemeine Hochschulreife (Abitur) vermittelt.

Das mitunter wichtigste Ereignis im Schuljahr '84 ist der Umzug der Schule von der Antoniusstraße zur Lehnerstraße in Saarn. Damit werden die drückenden Raumprobleme gelöst. Aber der neue Standort ist nicht unumstritten. Die Randlage Saarn wird von vielen kritisiert, einen Standort im Stadtmittebereich wird von vielen gefordert. Die Entscheidung, die neue Schule in Saarn zu bauen, ist bildungspolitisch bestimmt.

Foto: Oliver Müller

Die Bezeichnung „Kaufmännische Schulen der Stadt Mülheim an der Ruhr“ wird im Schuljahr 1998 auf Grund der Zusammenführung der berufsbildenden Schulen und der Kollegschulen im Lande Nordrhein-Westfalen in „Berufskolleg Lehnerstraße der Stadt Mülheim an der Ruhr“ umgewandelt.

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